Die Arroganz des Menschen

Was bilden wir uns eigentlich ein? Was denken wir aufrecht gehenden Trockennasenaffen eigentlich, wer wir sind?

Quallen leben seit Millionen Jahren beinahe unverändert, ebenso Krokodile oder Schwämme. Es gibt heute Bäume, deren Wurzeln ausgeschlagen haben, als wir den Buchdruck noch nicht erfunden hatten. Es gibt Schwämme, die eine Fläche von mehreren Quadratkilometern Fläche einnehmen, der größte, bekannte Schwamm nimmt 7 Quadratkilometer ein. Skorpione können radioaktive Strahlung überleben, aber in dieser Disziplin ist er nicht der einzige, auch Kakerlaken sollen darin sehr gut sein. Bärtierchen kann man in siedendes Wasser werfen, sie komplett austrocknen oder dem Vakuum des Weltraums aussetzen, etwas Feuchtigkeit und es läuft wieder weiter. Geparde laufen bis zu 80km/h schnell, Elefanten hören das tiefe Brummen von Elefantenherden aus 600km Entfernung, Wale hören die Gesänge ihrer Gefährten gleich um den halben Globus herum. Es gibt einen Aal, der einen Fingerhut voll Rosenöl riecht, wenn man ihn ins Wasser kippt. Wohlgemerkt ein Wasser das der 32-fachen Menge des Bodensees entspricht. Ach ja, und der Aal schwimmt am gegenüberliegenden Ufer. Schlangen erkennen Temperaturunterschiede, die unsere Augen in Farben nicht unterscheiden können. Maulwürfe spüren das Graben von Regenwürmern in 50cm Entfernung. Die Liste an Beispielen, in welchen uns Tiere in jeder beliebigen Disziplin überlegen sind, lässt sich beliebig fortsetzen.

Es gibt nur eine einzige Disziplin, in der wohl der Mensch unschlagbar zu sein scheint: Seine Fantasie.

Leider ist seine Fantasie auch mit einer Arroganz gepaart, die ebenso ihresgleichen sucht. Aus einem mir unbekannten Grund denkt der Mensch, er muss etwas besonderes sein. Er denkt in seinem Wahn, dass er so besonders sein muss, dass dieses Universum, in welchem wir nicht einmal unbedeutend sind, sogar für uns existiert! Und dass wir im Mittelpunkt davon seien. Ein Mittelpunkt, den es, wie wir heute wissen, gar nicht gibt. Der Mensch hält sich selbst für so bedeutend, dass er sogar denkt, sein Bewusstsein sei für das Universum erhaltenswert. Deswegen hat er das Konzept der Seele erfunden. Ein Konstrukt, welches die Angst vor dem Tod nehmen soll. In Wirklichkeit aber, reduziert eine unsterbliche Seele den Wert des irdischen Lebens auf Null. Maximal kann es eine Strafe sein, zu warten, bis man endlich diesen lästigen Körper los ist und in Ewigkeit als etwas ohne materieller Form und Struktur existiert – ein für mich abstoßender Gedanke. Ein kindlich-naiver Gedanke aus dem die Angst vor der eigenen Vergänglichkeit laut herausschreit.

Die Krönung dieser Arroganz ist aber der Aberglaube, es gäbe einen uns liebenden Gott, der Allmächtig und Allwissend ist, aber dennoch ein ganzes Universum erschafft, in welchem Wesen eine Geschichte erleben, die er bereits kennt, jederzeit reproduzieren kann  und die er damit maximal als langweilig empfinden kann.

Ich sage immer so: Wäre Gott so dumm wie ihn sich die Menschen ausdenken, er hätte dieses Universum ohnehin nicht zustande gebracht.

Dabei ist es so simpel: Der Mensch ist nur ein Produkt der Evolution, Umweltbedingungen und darin vorhandenen Möglichkeiten geschuldet. Er ist nichts weiter als eine Laune der Natur. Und wenn man sich das bewusst macht, dann plötzlich steht man der Schönheit der Natur, der Weite des Universums und der Unmöglichkeit das alles zu verstehen sehr viel entspannter gegenüber. Und vor allem, hat dieses Leben einen Wert!

Einen Wert, den ich mir durch keinen Aberglauben nehmen lasse!

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Nicht haltbare Thesen – Evolution konnte bis heute nicht beobachtet werden.

Das Argument, man könne auch heute noch die Evolution nicht beobachten, ist ein nur zu gerne genutztes Argument von Kreationisten. Aber, wie alle ihre Argumente, stellt sich auch dieses als nicht haltbar heraus, wenn man es den Tatsachen gegenüberstellt.

Sehen wir uns also ein paar dieser Tatsachen an:

— Tachyeres brachypterus —

Zunächst einmal haben wir da die Falkland-Dampfschiffente (Tachyeres brachypterus).

Was soll an dieser nun so toll sein, dass man damit einen Kreationisten vom Ofen hervorlocken könnte? Nun, sie sind flugunfähig! Wieso haben sie Flügel, wenn sie nicht fliegen sollen?

  • Argument auf Behauptungs-Niveau: Dies ist kein „Intelligent Design“. Intelligente Ingenieure bringen ja auch keine Flügel an Autobussen an.
  • Sachliche Argumentation: Mangel an Feinden machte Fliegen überflüssig Doch warum sind gerade Inseln ein Paradies für das Entstehen von Nichtfliegern? „Flugunfähige Vögel konnten sich vor allem dort entwickeln, wo es wenige oder keine räuberischen Säugetiere gab und der Konkurrenzkampf mit bodenlebenden Säugern nicht so groß war“, erklärt Christina Bauch vom Institut für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland“. So existierten auf Neuseeland bis vor rund 1.000 Jahren überhaupt keine größeren Säugetiere. Vogelfeinde wie Hund oder Katze kamen erst im Schlepptau des Menschen dorthin. Für die Vögel war Fliegen können auf diesen Inseln deshalb über Jahrmillionen kein wirklicher evolutionärer Vorteil, denn sie mussten sich ja nicht vor Räubern in Sicherheit bringen. Statt viel Energie und andere biologische Ressourcen in den Aufbau der Flugmuskulatur und den Flugvorgang zu stecken, war es für sie lohnender, diese in andere Anpassungen an ihren Lebensraum zu investieren. Mit dem Verlust der Flugkunst gingen erhebliche Veränderungen im Körper- und Skelettbau der flugunfähigen Vögel einher. So besitzen die Kiwis heute nur noch kleine Flügel und ihnen fehlen sowohl der Schwanz als auch der Brustbeinkamm. An diesem kleinen Knochen setzt bei flugfähigen Vögeln die umfangreiche Flügelmuskulatur an. Quelle: http://www.nationalgeographic.de/aktuelles/warum-gibt-es-voegel-die-nicht-fliegen-koennen

Ich kann das Gegenargument förmlich hören: „Dies ist keine direkte Beobachtung!“ Jeder halbwegs zu rationalem Denken fähige Mensch erkennt sofort die Stolperfalle in der Argumentation, mit welcher sich ein Kreationist durch seine eigene Argumentation selbst ins Aus stellt. Denn auf die Gegenfrage, ob man die Schöpfung etwa direkt beobachten konnte, kommen im Regelfall nur Ausflüchte oder es wird ganz flink das Thema gewechselt. Aber lassen wir dieses Argument einmal gelten und erhöhen den Anspruch an Belegbarkeit.

— Drosophila melanogaster —

Also die Kreationisten wollen es beobachten können? Am besten vielleicht noch zuhause? Nun, wieso nicht? Man nehme einige Fruchtfliegen (Drosophila melanogaster), teile sie in unterschiedliche Populationen und kann dann anhand einer selbst herbeigeführten „Selektion“ die dadurch bedingte „Mutation“ beobachten. Wie das funktioniert? Man nehme drei (oder mehr) Marmeladegläser mit einer jeweils bestimmten sich stark unterscheidenden Sorte Marmelade. Welche exakt bleibt Geschmackssache, allerdings sollte sie den der Fruchtfliegen treffen. Dann lässt man die Fruchtfliegen sich entscheiden und eine bestimmte Marmelade bestimmt man zur „Selektions-Marmelade“. Alle Fliegen, welche sich für diese eine bestimmte Marmelade entscheiden, bekommen die Gelegenheit, sich zu vermehren. Die nächste Generation an Fruchtfliegen wird ebenso selektiert. Nach mehreren Generationen, etwas mehr als 20, zeigt sich, dass sich eine Fruchtfliegengeneration entwickelt hat, welche schneller lernt und sich vermehrt für die vorgegebene „Selektions-Marmelade“ entscheidet.

Quelle: http://www.shortnews.de/id/756345/evolution-nicht-nur-eine-theorie-forscher-liefert-beweise

Nun wird es zwar schon etwas enger, doch Kreationisten werden dennoch weiter argumentieren, dass man die Flugunfähigkeit in ihrer Entwicklung nicht direkt beobachten kann und dass Fliegen doch wohl ein gar seltsames Beispiel seien. Nun, wieso? Dass die Enten Flügen haben ist ein Beleg dafür, dass sich diese einst evolutionär entwickelt haben und nun ihre Funktion verloren haben. Und nur weil Fliegen klein und Insekten sind, darf man sie nicht als Beispiel nehmen? Wieso, auch ihre Entwicklung beruht auf Veränderungen in der DNA. Aber was soll’s, direkt beobachtbar und größer, schön handlich, zum Anfassen? Gerne!

Anolis carolinensis —

Der Rotkehlanolis (Anolis carolinensis), auch Amerikanisches Chamäleon oder Grüner Anolis genannt, zeigt uns innerhalb weniger Jahre, 15 um den Artikel zu zitieren, was die Evolution in wenigen Generationen, 20 an der Zahl, hervorbringen kann. Die Forscher studierten die Anolis um zu sehen, wie sie gegen die Invasion einer konkurrierenden Spezies reagieren würden. Sie setzten Grüne Anolis auf kleinen Inseln in Florida einer Invasion durch Braune Anolis aus Kuba aus. Beide Arten sind etwa gleich groß und ernähren sich auch in etwa gleich. Doch auch die Forscher waren überrascht, mit welcher unglaublichen Geschwindigkeit die Evolution hier ihre Arbeit verrichtete! Aber lest selbst:

Quelle: https://www.washingtonpost.com/news/speaking-of-science/wp/2014/10/23/competition-drove-these-lizards-to-evolve-big-sticky-feet-in-just-15-years/

(Hier der Artikel in übersetzter Form, allerdings lässt die Übersetzung teils zu wünschen übrig und liest sich seltsam. https://translate.google.at/translate?hl=de&sl=en&u=https://www.washingtonpost.com/news/speaking-of-science/wp/2014/10/23/competition-drove-these-lizards-to-evolve-big-sticky-feet-in-just-15-years/&prev=search)

Es gibt noch viele Beispiele für einen durch uns Menschen beobachtbaren Evolutionsprozess. Zu viele, um alle hier aufzuzählen. Wenn also das nächste mal ein Kreationist mit dem nicht haltbaren Argument kommt, man könne Evolution nicht beobachten, sagt ihm einfach: „Anolis carolinensis. Schachmatt, Kreationist.“

Man muss nicht beweisen, dass es keinen Gott gibt!

Gläubige argumentieren oft, dass es nicht möglich sei zu beweisen, dass es keinen Gott gibt. Irgendwie scheint ihnen dies Sicherheit zu geben. Allerdings die Sicherheit einer Glastür, hinter der sie sich verstecken wollen.

Zunächst einmal geht es um die Klarstellung, dass jener, der eine Idee zu einer Sache hat, auch jener ist der diese Idee als korrekt belegen muss, sofern diese einen Anspruch auf eine Übereinstimmung mit der Wirklichkeit erhalten soll. Eine Idee ist schnell erdacht und ausgesprochen, doch ob diese einen Wahrheitsanspruch hat, das steht auf einem gänzlich anderen Blatt.

Solange eine Idee als solche lediglich eine Idee ist, formuliert doch unbelegt, behält sie den Status einer Idee. Was allerdings unterscheidet eine beliebige Idee von einem möglichen Irrtum? Nichts!

Es genügt somit, diese Idee als „unbelegt und nicht in offensichtlicher Übereinstimmung mit der Wirklichkeit stehend“ zurückzuweisen.

Die Aussage, man könne die Existenz Gottes nicht widerlegen ist die Forderung, den Inhalt einer Idee zu widerlegen. Doch bei einer Falsifizierung (~Widerlegung) geht es nicht darum, den Inhalt einer Idee direkt zu widerlegen, also das Konstrukt welches darin beschrieben wird, sondern es gilt, die gefundenen Belege für eine Idee zu falsifizieren. Gelingt dies, so war der Beleg nicht haltbar und die Idee bleibt unbelegt. Und hier zeigt sich die Unmöglichkeit, eine Idee ohne Halt in die Wirklichkeit einbringen zu wollen. Jeder Versuch, die Existenz irgend eines Gottes in der Wirklichkeit verankern zu wollen, scheitert an den Belegen dafür. Denn bisher konnte jeder angebliche Beleg für ein Wirken Gottes als unhaltbar aufgezeigt werden. Es gibt keinen Gottesbeweis der keinen Logikfehler oder eine willkürliche Prämisse beinhalten würde. Seit Jahrtausenden bleibt die Gottesthese das, was sie von Beginn an war, eine Idee, die nicht mit der Wirklichkeit in Übereinstimmung zu bekommen ist.

Ebenso kann anders herum gefordert werden, die Idee zu belegen, das Universum, das Leben und alles andere, sei ohne einen Schöpfer entstanden. Nun, all‘ die Belege hierfür aufzuzeigen soll nicht Aufgabe dieses Textes sein, doch vom Urknall bis zum heutigen Tage gibt es weitaus elegantere Modelle, welche die Entstehung von allem erklären, als die Idee eines Schöpfers, welche nach Jahrtausenden immer noch eine Idee ohne Unterschied zum möglichen Irrtum ist.