Das Ende des Aberglaubens

Ich führte letzens eine Diskussion in welcher ich den Glauben eines Diskussionspartners als „Aberglaube“ bezeichnete. Wie ich denn darauf käme, dass sein Glaube an Gott ein Aberglaube wäre, wurde da gefragt. Ich bat also darum, mir die Unterschiede zwischen Glaube und Aberglaube aufzuzeigen.

Wie erwartet kamen keinerlei belastbare Argumente. Es ging eine ganze Weile so hin und her, ich weiß gar nicht mehr alle Argumente, aber ein paar möchte ich hier festhalten, sind sie doch ein gewisser Standard oder zumindest erheiternd.

* * *

Er: „Du wirst meinen Glauben nicht erschüttern können!“ – Ich: „Ob du dir Scheuklappen aufsetzt oder nicht, ist deine Sache. Bereits mit dieser ersten Aussage zeigst du deine Position. Fakten brauchen keinerlei solcher Abwehrreaktionen, nur unsichere Weltbilder rufen bereits vor einer Diskussion eine solche Reaktion hervor. Und am Ende dieser Diskussion wirst du verstehen, wieso du das Gegenteil von dem erreichst, was du erreichen möchtest. Du machst deine Position lediglich schlimmer.“ (Er meinte, wir werden ja sehen.)

Er: „Aberglaube ist so was wie auf Holz klopfen um nichts falsches hervor zu beschwören.“ – Ich: „Ach, also so wie ein Kreuz vor der Brust machen um Unheil abzuwehren?“

Er: „Du hast ganz sicher irgendwann schon einmal Gott angefleht, er möge dir helfen. Da wette ich!“ – Ich: „Langsam verstehe ich, wie du dir so sicher sein kannst, dass es Gott gibt. Du bestätigst es dir einfach selbst. Man nennt das den Confirmation Bias und er ist ein treuer Begleiter des Aberglaubens. Du schließt von deiner Position heraus direkt auf meine und denkst, nur weil du Gott anflehst muss das auch für mich gelten. Nein, ich habe noch nie irgend einen Gott angefleht. Oder hast du schon mal Superman um Hilfe gerufen?“

Er: „An Gott zu glauben ist doch nur logisch!“ – Ich: „Nicht an irgend einen Gott zu glauben ist doch nur logisch! Eigentlich müsstest du meine Aussage nun falsifizieren können, behaupte ich doch glatt das Gegenteil und du hast ja offenbar die Logik auf deiner Seite. Also…“ (Natürlich kam nichts.)

Er: „Aber Gott ist soviel mehr als Aberglaube!“ – Ich: „Wir sind wieder am Anfang, ich bitte um eine Aufzählung der Unterschiede, denn bisher hast du meine Aussage nur bestätigt da du keinerlei Unterschied aufzählen kannst. Wie ich dir vorher gesagt habe, du machst es nur schlimmer. Aber gerne auf zur zweiten Runde.“

Weg war er…

* * *

Natürlich ist dies nur ein Gedächnisprotokoll und ich habe einiges weggelassen, das Gespräch dauerte etwa eine dreiviertel Stunde. Ich spiele dieses Spiel nun schon eine ganze Weile und bisher konnte mir kein Gläubiger aufzeigen, was denn der ach so große Unterschied zwischen Glaube und Aberglaube ist.

Es gibt keinen, denn jedes Argument für die Existenz eines Gottes basiert auf rein subjektivem für wahr haben wollen. Es gibt keinerlei Hinweis auf die Existenz solcher Wesenheiten. Es gibt lediglich Personen, welche sich nicht mit der Geschichte, der Entstehung ihrer Religion, ihres Aberglaubens, auseinandersetzen. Ich möchte jetzt gar nicht auf all‘ die bekannten, historischen Fakten eingehen, welche Thora, Bibel, Koran und Co. längst als Mythenbücher entlarvt haben, davon gibt es genügend.

Für mich ist es jedenfalls immer wieder interessant zu erleben, dass Gläubige den ernsthaften Versuch machen, ihren Gottglaube vom Status eines Aberglaubens zu differenzieren und dass sie sich dabei jedes mal nur selbst belegen, dass sie es nicht schaffen. Vielleicht beginnt irgendwann bei irgendwem einmal ein kleines, längst eingerostetes Rädchen zu knacksen, bis der Rost der Verblendung abfällt, der Geist aufwacht und den Glaube an einen Gott oder mehrere Götter als das erkennt, was er ist: Aberglaube!

 

Die Arroganz des Menschen

Was bilden wir uns eigentlich ein? Was denken wir aufrecht gehenden Trockennasenaffen eigentlich, wer wir sind?

Quallen leben seit Millionen Jahren beinahe unverändert, ebenso Krokodile oder Schwämme. Es gibt heute Bäume, deren Wurzeln ausgeschlagen haben, als wir den Buchdruck noch nicht erfunden hatten. Es gibt Schwämme, die eine Fläche von mehreren Quadratkilometern Fläche einnehmen, der größte, bekannte Schwamm nimmt 7 Quadratkilometer ein. Skorpione können radioaktive Strahlung überleben, aber in dieser Disziplin ist er nicht der einzige, auch Kakerlaken sollen darin sehr gut sein. Bärtierchen kann man in siedendes Wasser werfen, sie komplett austrocknen oder dem Vakuum des Weltraums aussetzen, etwas Feuchtigkeit und es läuft wieder weiter. Geparde laufen bis zu 80km/h schnell, Elefanten hören das tiefe Brummen von Elefantenherden aus 600km Entfernung, Wale hören die Gesänge ihrer Gefährten gleich um den halben Globus herum. Es gibt einen Aal, der einen Fingerhut voll Rosenöl riecht, wenn man ihn ins Wasser kippt. Wohlgemerkt ein Wasser das der 32-fachen Menge des Bodensees entspricht. Ach ja, und der Aal schwimmt am gegenüberliegenden Ufer. Schlangen erkennen Temperaturunterschiede, die unsere Augen in Farben nicht unterscheiden können. Maulwürfe spüren das Graben von Regenwürmern in 50cm Entfernung. Die Liste an Beispielen, in welchen uns Tiere in jeder beliebigen Disziplin überlegen sind, lässt sich beliebig fortsetzen.

Es gibt nur eine einzige Disziplin, in der wohl der Mensch unschlagbar zu sein scheint: Seine Fantasie.

Leider ist seine Fantasie auch mit einer Arroganz gepaart, die ebenso ihresgleichen sucht. Aus einem mir unbekannten Grund denkt der Mensch, er muss etwas besonderes sein. Er denkt in seinem Wahn, dass er so besonders sein muss, dass dieses Universum, in welchem wir nicht einmal unbedeutend sind, sogar für uns existiert! Und dass wir im Mittelpunkt davon seien. Ein Mittelpunkt, den es, wie wir heute wissen, gar nicht gibt. Der Mensch hält sich selbst für so bedeutend, dass er sogar denkt, sein Bewusstsein sei für das Universum erhaltenswert. Deswegen hat er das Konzept der Seele erfunden. Ein Konstrukt, welches die Angst vor dem Tod nehmen soll. In Wirklichkeit aber, reduziert eine unsterbliche Seele den Wert des irdischen Lebens auf Null. Maximal kann es eine Strafe sein, zu warten, bis man endlich diesen lästigen Körper los ist und in Ewigkeit als etwas ohne materieller Form und Struktur existiert – ein für mich abstoßender Gedanke. Ein kindlich-naiver Gedanke aus dem die Angst vor der eigenen Vergänglichkeit laut herausschreit.

Die Krönung dieser Arroganz ist aber der Aberglaube, es gäbe einen uns liebenden Gott, der Allmächtig und Allwissend ist, aber dennoch ein ganzes Universum erschafft, in welchem Wesen eine Geschichte erleben, die er bereits kennt, jederzeit reproduzieren kann  und die er damit maximal als langweilig empfinden kann.

Ich sage immer so: Wäre Gott so dumm wie ihn sich die Menschen ausdenken, er hätte dieses Universum ohnehin nicht zustande gebracht.

Dabei ist es so simpel: Der Mensch ist nur ein Produkt der Evolution, Umweltbedingungen und darin vorhandenen Möglichkeiten geschuldet. Er ist nichts weiter als eine Laune der Natur. Und wenn man sich das bewusst macht, dann plötzlich steht man der Schönheit der Natur, der Weite des Universums und der Unmöglichkeit das alles zu verstehen sehr viel entspannter gegenüber. Und vor allem, hat dieses Leben einen Wert!

Einen Wert, den ich mir durch keinen Aberglauben nehmen lasse!

Nicht haltbare Thesen – Evolution konnte bis heute nicht beobachtet werden.

Das Argument, man könne auch heute noch die Evolution nicht beobachten, ist ein nur zu gerne genutztes Argument von Kreationisten. Aber, wie alle ihre Argumente, stellt sich auch dieses als nicht haltbar heraus, wenn man es den Tatsachen gegenüberstellt.

Sehen wir uns also ein paar dieser Tatsachen an:

— Tachyeres brachypterus —

Zunächst einmal haben wir da die Falkland-Dampfschiffente (Tachyeres brachypterus).

Was soll an dieser nun so toll sein, dass man damit einen Kreationisten vom Ofen hervorlocken könnte? Nun, sie sind flugunfähig! Wieso haben sie Flügel, wenn sie nicht fliegen sollen?

  • Argument auf Behauptungs-Niveau: Dies ist kein „Intelligent Design“. Intelligente Ingenieure bringen ja auch keine Flügel an Autobussen an.
  • Sachliche Argumentation: Mangel an Feinden machte Fliegen überflüssig Doch warum sind gerade Inseln ein Paradies für das Entstehen von Nichtfliegern? „Flugunfähige Vögel konnten sich vor allem dort entwickeln, wo es wenige oder keine räuberischen Säugetiere gab und der Konkurrenzkampf mit bodenlebenden Säugern nicht so groß war“, erklärt Christina Bauch vom Institut für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland“. So existierten auf Neuseeland bis vor rund 1.000 Jahren überhaupt keine größeren Säugetiere. Vogelfeinde wie Hund oder Katze kamen erst im Schlepptau des Menschen dorthin. Für die Vögel war Fliegen können auf diesen Inseln deshalb über Jahrmillionen kein wirklicher evolutionärer Vorteil, denn sie mussten sich ja nicht vor Räubern in Sicherheit bringen. Statt viel Energie und andere biologische Ressourcen in den Aufbau der Flugmuskulatur und den Flugvorgang zu stecken, war es für sie lohnender, diese in andere Anpassungen an ihren Lebensraum zu investieren. Mit dem Verlust der Flugkunst gingen erhebliche Veränderungen im Körper- und Skelettbau der flugunfähigen Vögel einher. So besitzen die Kiwis heute nur noch kleine Flügel und ihnen fehlen sowohl der Schwanz als auch der Brustbeinkamm. An diesem kleinen Knochen setzt bei flugfähigen Vögeln die umfangreiche Flügelmuskulatur an. Quelle: http://www.nationalgeographic.de/aktuelles/warum-gibt-es-voegel-die-nicht-fliegen-koennen

Ich kann das Gegenargument förmlich hören: „Dies ist keine direkte Beobachtung!“ Jeder halbwegs zu rationalem Denken fähige Mensch erkennt sofort die Stolperfalle in der Argumentation, mit welcher sich ein Kreationist durch seine eigene Argumentation selbst ins Aus stellt. Denn auf die Gegenfrage, ob man die Schöpfung etwa direkt beobachten konnte, kommen im Regelfall nur Ausflüchte oder es wird ganz flink das Thema gewechselt. Aber lassen wir dieses Argument einmal gelten und erhöhen den Anspruch an Belegbarkeit.

— Drosophila melanogaster —

Also die Kreationisten wollen es beobachten können? Am besten vielleicht noch zuhause? Nun, wieso nicht? Man nehme einige Fruchtfliegen (Drosophila melanogaster), teile sie in unterschiedliche Populationen und kann dann anhand einer selbst herbeigeführten „Selektion“ die dadurch bedingte „Mutation“ beobachten. Wie das funktioniert? Man nehme drei (oder mehr) Marmeladegläser mit einer jeweils bestimmten sich stark unterscheidenden Sorte Marmelade. Welche exakt bleibt Geschmackssache, allerdings sollte sie den der Fruchtfliegen treffen. Dann lässt man die Fruchtfliegen sich entscheiden und eine bestimmte Marmelade bestimmt man zur „Selektions-Marmelade“. Alle Fliegen, welche sich für diese eine bestimmte Marmelade entscheiden, bekommen die Gelegenheit, sich zu vermehren. Die nächste Generation an Fruchtfliegen wird ebenso selektiert. Nach mehreren Generationen, etwas mehr als 20, zeigt sich, dass sich eine Fruchtfliegengeneration entwickelt hat, welche schneller lernt und sich vermehrt für die vorgegebene „Selektions-Marmelade“ entscheidet.

Quelle: http://www.shortnews.de/id/756345/evolution-nicht-nur-eine-theorie-forscher-liefert-beweise

Nun wird es zwar schon etwas enger, doch Kreationisten werden dennoch weiter argumentieren, dass man die Flugunfähigkeit in ihrer Entwicklung nicht direkt beobachten kann und dass Fliegen doch wohl ein gar seltsames Beispiel seien. Nun, wieso? Dass die Enten Flügen haben ist ein Beleg dafür, dass sich diese einst evolutionär entwickelt haben und nun ihre Funktion verloren haben. Und nur weil Fliegen klein und Insekten sind, darf man sie nicht als Beispiel nehmen? Wieso, auch ihre Entwicklung beruht auf Veränderungen in der DNA. Aber was soll’s, direkt beobachtbar und größer, schön handlich, zum Anfassen? Gerne!

Anolis carolinensis —

Der Rotkehlanolis (Anolis carolinensis), auch Amerikanisches Chamäleon oder Grüner Anolis genannt, zeigt uns innerhalb weniger Jahre, 15 um den Artikel zu zitieren, was die Evolution in wenigen Generationen, 20 an der Zahl, hervorbringen kann. Die Forscher studierten die Anolis um zu sehen, wie sie gegen die Invasion einer konkurrierenden Spezies reagieren würden. Sie setzten Grüne Anolis auf kleinen Inseln in Florida einer Invasion durch Braune Anolis aus Kuba aus. Beide Arten sind etwa gleich groß und ernähren sich auch in etwa gleich. Doch auch die Forscher waren überrascht, mit welcher unglaublichen Geschwindigkeit die Evolution hier ihre Arbeit verrichtete! Aber lest selbst:

Quelle: https://www.washingtonpost.com/news/speaking-of-science/wp/2014/10/23/competition-drove-these-lizards-to-evolve-big-sticky-feet-in-just-15-years/

(Hier der Artikel in übersetzter Form, allerdings lässt die Übersetzung teils zu wünschen übrig und liest sich seltsam. https://translate.google.at/translate?hl=de&sl=en&u=https://www.washingtonpost.com/news/speaking-of-science/wp/2014/10/23/competition-drove-these-lizards-to-evolve-big-sticky-feet-in-just-15-years/&prev=search)

Es gibt noch viele Beispiele für einen durch uns Menschen beobachtbaren Evolutionsprozess. Zu viele, um alle hier aufzuzählen. Wenn also das nächste mal ein Kreationist mit dem nicht haltbaren Argument kommt, man könne Evolution nicht beobachten, sagt ihm einfach: „Anolis carolinensis. Schachmatt, Kreationist.“

Missinterpretierte Begriffe: Information (in der Materie)

Oft hört oder liest man, dass es Information in der Materie gäbe, welche auf einen Informationsgeber hinweisen würde und somit einen Schöpfergeist beweisen würde. Um hier zu erkennen, wo der Fehler in der Aussage steckt, muss man sich damit auseinandersetzten, was Information überhaupt ist und wie sie entsteht.

Information entsteht durch das Bewerten von Zuständen.

Wobei das Wort ‚Bewerten‘ hier nicht mit dem subjektiven Begriff der Wertschätzung verwechselt werden darf, sondern die objektive Einordnung von vorliegenden Tatsachen meint.

Eigentlich könnte man es darauf beruhen lassen, aber ich möchte den Mythos von Information in der Materie gerne unmissverständlich aus der Welt schaffen.
Beginnen wir beim Übeltäter, dem Zustand. Was ist ein Zustand? Ein Zustand ist eine vorherrschende Möglichkeit aus allen wahrscheinlichen Möglichkeiten die ein System einnehmen kann. Ein Zustand selbst ist aber noch lange keine Information, sondern lediglich eine eingetretene Möglichkeit. Doch wie kommt es nun zur „Information“?
In unserem Universum hat es sich zugetragen, dass sich Materie derart angeordnet hat, dass diese durch ihre strukturelle Anordnung in der Lage ist, zu denken, also so etwas wie ein Ich-Bewusstsein hervorzubringen. Mit diesem Bewusstsein einhergehend ist eine Eigenschaft, welche diese Anordnung von Materie, ich nenne sie ab nun Mensch, dazu antreibt, Dinge zu hinterfragen und verstehen zu wollen. Daher hat der Mensch begonnen zu beobachten. Zunächst mit den Sinnen, später mit technischen Hilfsmitteln, welche weit mehr erkennen können als es die Sinne des Menschen erlauben. Aber jede Beobachtung ist im Eigentlichen nur eine Bewertung. Man beobachtet, erkennt dadurch etwas und muss diese Erkenntnis nun bewerten. Man muss sie also formulieren, zum Ausdruck bringen. Es hilft nichts, einen Stein zu wägen und auf das Display der Waage zu starren. Man muss die dort stehenden Symbole ablesen und als Zahlen erkennen, man muss diese Zahlen als genormten Wert für das Gewicht erkennen und entsprechend assoziieren können. So, dass letztendlich aus der räumlichen Lage des Steins auf einer Waage mit den Symbolen darauf eine Aussage wird. „Der Stein wiegt 5,34 Kilogramm“. Und das ist sie nun, die Information, von der so gerne behauptet wird, sie stecke in der Materie.

Natürlich ist auch die Aussage, dass ein Stein auf einer Waage liegt, eine Information. Aber auch dies ist wiederum eine Bewertung. Jemand sieht etwas. Das Gesehene wird im Gehirn verarbeitet und ein Teil davon als ein Stein erkannt, der auf einer technischen Vorrichtung liegt, die man Waage nennt. Erst diese Bewertung generiert das, was man Information nennt. Einen Zustand, den man bewertet und formuliert hat. Ohne Bewusstsein, welches solch eine Bewertung durchführen würde, wäre es Materie in einem Schwerefeld die durch die wirkenden Kräfte auf eine andere Materie einwirkt. Und genau genommen, nicht einmal das. Es wäre etwas. Und niemand wäre hier um zu bewerten, ob überhaupt etwas ist. Wobei dieser Satz selber nun wieder eine Information ist, denn was habe ich gemacht? Ein Szenario erdacht, bewertet und formuliert. Ohne mir, gäbe es dieses Szenario nicht einmal.

Es gibt keine Information in der Materie, dort liegen nur Zustände vor. Es ist der bewusste Beobachter, welcher Information erzeugt. Entweder für sich selbst oder um diese weiterzugeben. Manches Mal wird Information erzeugt, deren Aussage keine Schnittmenge der Wirklichkeit ist, was lediglich ein weiterer Beleg dafür ist, dass Information eben nicht aus dem Beobachteten kommen kann sondern dort entsteht, wo auch der Rest an Informationen entsteht: Im Bewusstsein von uns Menschen. Information ist in unseren Köpfen.

Missinterpretierte Begriffe – Das Lego-Männchen eine Variante des „Blind-Watchmaker“ Arguments

Hier zeigt sich mal wieder sehr schön, wie wenig die Macher dieses Memes verstehen, worüber sie eigentlich reden.

  1. Nichts entsteht durch Zufall. Der Begriff wird oft falsch verstanden. Zufall bedeutet, dass man für ein beobachtetes Phänomen keine kausale Erklärung abgeben kann oder will. Zufall bedeutet, auf eine Erklärung zu verzichten und stellt keinen physikalischen Ablauf dar!
  2. Zeigt das Bild, obwohl die Intention eine andere ist, sehr schön auf, wie es tatsächlich ist! Ein Lego-Männchen hat einen Schöpfer, den Menschen. Es ist eine stark reduzierte Abbildung eines Menschen, minimalistisch und als Spielfigur ausgelegt. Mehr soll sie nicht sein. Der Mensch hingegen, ist das Produkt eines Milliarden Jahre langen Evolutionsprozess. Ein Schöpfer würde den Menschen viel anders gestalten, nicht so umständlich und verworren wie die Organe aufgebaut sind. Jede Smartphone-Kamera löst besser auf als das Auge, jedes Mikrophon hört besser als das Ohr, unser Gehirn erfasst nicht mal 1% von dem was ihm die Sinne mitteilen und selbst da irrt es in der Interpretation, diese Beispiele lassen sich beliebig fortsetzen. Kein intelligenter Designer würde einen Menschen dermaßen fehleranfällig und umständlich konstruieren, dies kommt nur zustande, wenn man die Zeit und den Ablauf von Mutation und Selektion wirken lässt, ganz von alleine.
  3. Man unterscheidet bei den Strukturen, die in der Natur vorkommen, zwischen zwei grundsätzlich zustande gekommenen. Den „natürlichen Strukturen“, also jenen, die durch Selbstorganisation zustande gekommen sind und den „technischen Strukturen“, also jenen, welche durch Einwirken von außen bewusst in einen entsprechenden, nicht natürlichen Zustand gebracht worden sind. Und das sog. „Blind-Watchmaker-Argument“ nutzt in all seinen Formen immer „technische Strukturen“ um einen Gott dahinter zu postulieren. Und hier ist der Fehler! Wenn ich etwas erschaffenes, also Technik, als Beispiel nehme, dann gelange ich durch Hinterfragen sehr schnell zum entsprechenden Schöpfer, dem Menschen. Aber wenn man das vom Menschen geschaffene als Argument für einen Schöpfer einbringt, dreht man sich im Kreis, da man dann den Menschen als Schöpfer angibt, und nicht wie gewünscht, einen Gott.

Zerschlagung des Arguments:

Es gib viele Wege dieses Argument zu zerschlagen.

Eine davon ist zu hinterfragen, wo im Universum ein nicht von Menschen geschaffenes Lego-Männchen (Boeing 747, Schneemann, Uhr, …) zu finden ist. Es wird keine sinnvolle Antwort folgen.

Eine andere Möglichkeit ist, den Irrtum aufzuklären und dann nach dem Einbringen einer natürlich gewordenen Struktur bitten, schnell verliert das Argument an Halt.

Man muss nicht beweisen, dass es keinen Gott gibt!

Gläubige argumentieren oft, dass es nicht möglich sei zu beweisen, dass es keinen Gott gibt. Irgendwie scheint ihnen dies Sicherheit zu geben. Allerdings die Sicherheit einer Glastür, hinter der sie sich verstecken wollen.

Zunächst einmal geht es um die Klarstellung, dass jener, der eine Idee zu einer Sache hat, auch jener ist der diese Idee als korrekt belegen muss, sofern diese einen Anspruch auf eine Übereinstimmung mit der Wirklichkeit erhalten soll. Eine Idee ist schnell erdacht und ausgesprochen, doch ob diese einen Wahrheitsanspruch hat, das steht auf einem gänzlich anderen Blatt.

Solange eine Idee als solche lediglich eine Idee ist, formuliert doch unbelegt, behält sie den Status einer Idee. Was allerdings unterscheidet eine beliebige Idee von einem möglichen Irrtum? Nichts!

Es genügt somit, diese Idee als „unbelegt und nicht in offensichtlicher Übereinstimmung mit der Wirklichkeit stehend“ zurückzuweisen.

Die Aussage, man könne die Existenz Gottes nicht widerlegen ist die Forderung, den Inhalt einer Idee zu widerlegen. Doch bei einer Falsifizierung (~Widerlegung) geht es nicht darum, den Inhalt einer Idee direkt zu widerlegen, also das Konstrukt welches darin beschrieben wird, sondern es gilt, die gefundenen Belege für eine Idee zu falsifizieren. Gelingt dies, so war der Beleg nicht haltbar und die Idee bleibt unbelegt. Und hier zeigt sich die Unmöglichkeit, eine Idee ohne Halt in die Wirklichkeit einbringen zu wollen. Jeder Versuch, die Existenz irgend eines Gottes in der Wirklichkeit verankern zu wollen, scheitert an den Belegen dafür. Denn bisher konnte jeder angebliche Beleg für ein Wirken Gottes als unhaltbar aufgezeigt werden. Es gibt keinen Gottesbeweis der keinen Logikfehler oder eine willkürliche Prämisse beinhalten würde. Seit Jahrtausenden bleibt die Gottesthese das, was sie von Beginn an war, eine Idee, die nicht mit der Wirklichkeit in Übereinstimmung zu bekommen ist.

Ebenso kann anders herum gefordert werden, die Idee zu belegen, das Universum, das Leben und alles andere, sei ohne einen Schöpfer entstanden. Nun, all‘ die Belege hierfür aufzuzeigen soll nicht Aufgabe dieses Textes sein, doch vom Urknall bis zum heutigen Tage gibt es weitaus elegantere Modelle, welche die Entstehung von allem erklären, als die Idee eines Schöpfers, welche nach Jahrtausenden immer noch eine Idee ohne Unterschied zum möglichen Irrtum ist.

Nicht haltbare Thesen – Die Seele

Die Seele, jener unsterbliche Teil von uns der nach unserem irdischen Ableben in alle Ewigkeit fortbesteht… wo und wie auch immer. Hach, ein schöner Gedanke, oder? Aus meiner naturalistisch geprägten Sicht ist es ein naiver Gedanke, ein antikes Weltbild das vor Unwissen nur so strotzt. Und antike Weltbilder sollten irgendwann einmal fallen. Die 4-Elemente-Leere von Thales konnte sich auch sehr lange halten, länger als es die moderne Chemie schon gibt, aber dennoch, irgendwann konnte auch dieses Weltbild den neuen Erkenntnissen nicht mehr standhalten und musste diesen weichen. Es ist an der Zeit, dass auch das Weltbild der Seele diesen neuen Erkenntnissen weicht.

Auf die Frage hin, wann die Seele denn entsteht, erhält man unterschiedliche Antworten, aber der Zeitpunkt des Todes wird niemals genannt. Immer schon besitzt der Mensch bereits zu Lebzeiten eine Seele. Wofür, das kann ebenfalls nicht im gemeinsamen Konsens beantwortet werden. Und selbst wenn eine spezifische Antwort kommt, so kann man davon ausgehen, dass diese aufgrund neurologischer Forschung bereits als Funktion des Gehirns nachgewiesen ist.

Dieses Spezifische will ich umgehen, zu mannigfaltig ist die Zahl der Postulate die es zu widerlegen gäbe. Daher gehe ich gleich einen Schritt in Richtung Quinta Essentia und beschränke die Seele auf ihr Sein selbst. Denn es ist zunächst nicht essentiell, welche Funktionen des menschlichen Seins die Seele übernimmt, sondern wie sie dies macht! Mit der Beantwortung dieser Frage klärt sich möglicherweise der Rest.

Somit stelle ich folgende Frage: Woraus besteht die Seele und wie wechselwirkt sie mit unserem Gehirn?

Es gibt nach allen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zwei grundlegende Strukturen im Universum, auf denen alles beruht. Diese sind Energie und Materie. Beide stehen nach Einsteins berühmter Formel E=mc² in einem direkten Verhältnis, ja, scheinen letztlich sogar eins zu sein. Alles das ist, von den größten stellaren Objekten wie Wolf-Rayet-Sterne bis hin zu den Atomen besteht alles aus Materie. Ohne Ausnahme. Energie ist in Materie als Potential gebunden oder verrichtet in Form einer Kraft ihre Arbeit. So die klassische Physik.

Doch die letzten 100 Jahre haben dem Menschen ein neues Werkzeug erkennen lassen. Ein Werkzeug, welches die Welt im allerkleinsten beschreiben kann. Ein Werkzeug, welches Vorgänge wie Lichtbeugung und Magnetismus in seinem Wirken selbst beschreiben und erklären kann. Ein Werkzeug so fein, dass ein Skalpell dagegen wie ein Schlachtmesser wirkt. Ein Werkzeug, welches ich hier als Hammer verwende. Als Hammer, der die These „Seele“ zerschlagen kann. Die Quantenphysik!

Dazu muss auf ein paar Begriffe ein wenig Aufmerksamkeit gerichtet werden. Begriffe, deren Aussage ein Axiom darstellen. Wir reden hier nicht von starken Überzeugungen oder allgemein akzeptierten Annahmen. Wir sprechen hier von Dingen die so unbezweifelbar wirken wie die Gravitation!

Das Energieerhaltungsprinzip: Grundsätzlich gilt, dass die Energie in einem geschlossenen System weder vergrößert noch verkleinert werden kann. Sie kann lediglich in andere Energieformen umgewandelt werden. Also sei festgehalten: Kennt man die Gesamtsumme der vorhandenen Energie, so kennt man die Summe aller Teilmengen zu differenzierender Energieformen.

Die Wechselwirkungen (Energie): Die klassische Physik beschreibt das Wirken von Energie durch Felder die zwischen materiellen Objekten (Massen) bestehen und wie Gummibänder dort ihre Arbeit verrichten. Doch die Quantenphysik hat diesbezüglich neue, korrektere Modelle. Kräfte (Energie) werden durch Elementarteilchen vermittelt, den sogenannten Bosonen. Bosonen haben eine besondere Eigenschaft, sie erheben keinen Anspruch auf Individualität. Sie lassen sich beliebig stapeln. Und sie sind auch nicht unterscheidbar. Tauschte man zwei Bosonen gleicher Eigenschaften (Frequenz, Spin, Impuls), so würde dies nicht auffallen. Also sei festgehalten: Kräfte zwischen Massen werden durch Teilchen gemeinsamer Eigenschaften, sogenannten Bosonen, vermittelt.

Materie: Materie besteht ebenfalls aus Elementarteilchen gemeinsamer Eigenschaften, den Fermionen. Fermionen teilen ihren Platz nicht mit anderen Fermionen, sondern behalten sich einen individuellen Aufenthaltsort vor. Sie sind nicht stapelbar, es gibt je Ort also nur ein Fermion. Immer! Also sei festgehalten: Materie wird durch Teilchen gleicher Eigenschaften, sogenannten Fermionen, gebildet.

Aber nun zum ersten Teil der Frage: Woraus besteht die Seele? Hierauf erhalte ich generell die Antwort: „Aus reiner Energie!“

Gut, dazu gleich. Die Antwort, sie bestünde aus Materie ist sehr selten aber derart schnell widerlegt dass ich dies vorziehen möchte.

Seele aus Materie? Nein! Denn bestünde die Seele aus Materie, so hätte man sie bereits aufgespürt. Man kann sich nicht vorstellen, wie genau unser Gehirn schon durchleuchtet ist. Dabei geht es nicht um die exakte Kenntnis aller einzelnen Synapsen in ihrer spezifischen Funktion sondern generell um etwas das da ist, aber nicht Gehirnmasse ist, sondern etwas das sich beim Tod daraus löst und, wie auch immer und wohin, „entfleucht“. Nun, da ist nichts. Und auch wenn es unbemerkt entweicht, quo vadis, Masse? Im Umkreis von 13,798 Milliarden Lichtjahren ist keine Himmelspforte erkennbar. Und auch hat noch kein Weltraumteleskop ein Materiehäufchen davonhuschen sehen, das aus einem menschlichen Gehirn stammt und die Reise ins Paradies antritt. Und bitte, diese Teleskope könnten mit spielender Leichtigkeit euren Einkaufszettel ablichten (wenn auch nicht in lesbarer Qualität, wie gerne behauptet wird), wenn sie auf diesen gerichtet wären. Und auf unserem Planeten selber? Nun, auch da hat man die Himmelspforte und die dort anstehenden Massen der Seelen, immerhin sterben in etwa 3 Menschen jede Sekunde, noch nicht gefunden. Und wir bohren tief! Ich denke, wir können es dabei belassen und eine Seele aus Materie als nicht möglich einstufen.

Aber wie sieht es mit einer Seele aus reiner Energie aus? Nun, noch schlechter als bei Materie. Warum, das erkennt man wenn man die Welt nicht mit den groben Sehwerkzeugen betrachtet die dem Mensch gegeben sind, sondern mit dem oben genannten Hammer der Quantenphysik. Man erinnert sich? Energie liegt entweder in gebundener Form als Potential oder als Wechselwirkung in Form von Bosonen vor. Als Potential? Nun, dann bleibt die Seele an die Materie gebunden und wird mit ihr vergehen. Frei in Form von Wechselwirkung? Also als bosonisches System? Das wäre die Lösung. Die einzige! Ja, klar. Wenn man stirbt, löst sich die bis dahin gebundene Energie der Seele und… zerstrahlt. Ja, korrekt. Energie als Wechselwirkung ist bestrebt sich mit der maximal möglichen Geschwindigkeit auszubreiten. In alle Richtungen. Energie kann keine festen Strukturen ausformen. Wie auch, sind Bosonen ja beliebig übereinander stapelbar. Ja, genau das ist der Grund, weshalb sich Funkwellen durchdringen oder zwei Taschenlampenstrahlen sich nicht aneinander stören. Die Teilchen des Lichts, ebenfalls Bosonen, genauer Photonen, lassen sich beliebig überlagern und bilden eine Gesamtenergie ohne Anspruch auf Individualität. Eine Seele aus Energie hätte keine Struktur, sie könnte die komplexen Strukturen aus denen der gesamte Geist eines Menschen zusammengesetzt ist nicht halten. Weder blieben sie in einer Form gebunden noch an einem Ort. Lichtteilchen zum Beispiel bewegen sich mit, nun ja, Lichtgeschwindigkeit. Die Seele würde schneller zerstrahlen als sie den Gedanken „Ewiges Leben“ formen könnte.

Somit kann man zusammenfassen: Die Seele kann weder aus Materie noch aus Energie bestehen. Beides ist falsifizierbar.

Nun kann noch ein letzter Versuch erbracht werden, die These zu retten. „Die Seele besteht aus einem uns unbekannten Stoff!“ Gut, auch das ist falsifizierbar.

Aufgrund des Energieerhaltungsprinzips können wir sicher sein, dass nichts einfach so dazukommt oder, was für die Seele noch wichtiger ist, verschwindet! Wohin auch? Also, sie ist keine Materie, keine Energie, was dann? So ein Zwischending? Wie entsteht es? Kernspaltung oder Kernfusion? Dann wäre der Tod ein Bombenereignis! Sonstige Zerfallsprozesse? Strahlungsintensiv und leicht messbar, nein. Es ist wie es ist. Wechselwirkt es, ist es nachweisbar. Wenn nicht direkt, dann indirekt. Wechselwirkt es nicht, ist es irrelevant für die Wirklichkeit, in welcher sich übrigens auch unser Gehirn befindet. Und, ihr erratet es nicht, da ist keine Wechselwirkung außer jenen die wir kennen.

Also, wenn es eine Stofflichkeit gibt, die wir nicht messen können liegt es daran dass sie nicht wechselwirkt. Somit kann sie nicht auf die materielle oder energetische Struktur unseres Gehirnes zugreifen und ist somit unüberwindbar davon getrennt.

Was bleibt noch zu sagen?

Die These der Seele stand schon zu Zeiten von Immanuel Kant auf wackeligen Beinen, doch dem Hammer der Quantenphysik erliegt sie endgültig. Da ist keine Seele, weder aus Materie noch aus Energie. Und wenn aus etwas anderem, kann sie nicht in unsere Wirklichkeit einwirken.

Genießt das Leben das ihr habt! Und legt diese antike Idee seelenruhig, pardon, getrost zu den Akten.